Kooperation mit dem schwedischem Projekt HOHE KÜSTE

Palombella

 

AZIENDA AGRICOLA PALOMBELLA

Kooperation mit dem schedischen Projekt "HOHE KÜSTE"

Konzeptbeschreibung

Clearing ”Hohe Küste” in Schweden

Einzelbetreuung ”Haus Holmen

 

Präambel

Clearing ist ein kurzfristig verfügbares Instrument, das die Chancen und Ressourcen einer vermuteten bzw. deutlich gewordenen aktuellen Krise sichtbar macht.

Im Clearing werden keine Entscheidungen getroffen, sondern geeignete Lösungen angeboten, Ziele und Ressourcen eruiert und aktiviert werden. Bei einer Beauftragung legt die Clearingstelle die Ergebnisse des Clearings als Bericht vor und bietet damit eine fundierte Basis für eine lösungs- und ressourcenorientierte individuelle Entscheidungsfindung.

 

Leitgedanken

Der Grundgedanke des Clearing liegt in der Annahme, dass jeder Mensch das Potential und die Ressourcen für Lösungen akuter Krisen hat. Beim Clearing werden die Jugendlichen, deren Familien bzw. die Einrichtung, in der sich der/die Jugendliche befindet als ’Experten’ angesehen und hinzugezogen. Das Clearingverfahren eruiert eine Baseline des derzeitigen Zustandes des Jugendlichen und dessen Umfeldes um davon ausgehend weitere Maßnahmen zu erarbeiten. Insbesondere sollen die Erkenntnisse über Potentiale und Ressourcen die Chance eröffnen, praktikable auf den Jugendlichen zugeschnittene Lösungen zu finden.

 

Zielgruppe

Männliche und weibliche Jugendliche im Alter zwischen 12 und 18 Jahrenn unterschiedlicher Nationalität. Sprachkompentenzen in schwedisch/norwegisch, deutsch, englisch und französisch sind vorhanden.

Das Fachteam gewährleistet eine Rund-um-die Uhr-Betreuung.

Wir richten uns an Menschen, die in ihrer Biografie eine Vielzahl von negativen Erfahrungen (z.B. Gewalterfahrung, sex. Gewalt, Trauma) gemacht haben und die durch stark beeinträchtigte Lebensbedingungen sowie durch häufige Beziehungsabbrüche ein neues stabiles Umfeld benötigen.

Die Lebens- und Handlungsweisen der jungen Menschen, die sich in der Jugendhilfe befinden sind oft durch Misstrauen, Beziehungsabbrüche, mangelndes Selbstvertrauen, Leistungsverweigerung, Selbst- und Fremdgefährdung, Suchterfahrungen sowie durch psychische Probleme unterschiedlichster Art geprägt. Wir verstehen diese Probleme als Ausdruck der Suche nach Hilfe, als Überlebensstrategie und nehmen sie in diesem Sinne empathisch an.

Wir nehmen solche jungen Menschen auf, die sich in einer akuten Krise befinden und eine sog. Auszeit benötigen. Im Bereich des Clearings gehen die Jugendlichen durch div. Untersuchungs-, Beobachtungs- und Diagnosephasen, um neue Perspektiven erkennen zu können, Prognosen zu erstellen oder Möglichkeiten der Psychotherapie (Durchführung durch Ingeborg Baldenius) zu eröffnen. Diese Möglichkeit muss deshalb in Betracht gezogern werden, da es keine deutschsprachigen Therapeuten gibt. Daraus ergibt sich natürlich eine gewisse Problematik, die in der Überschneidung zwischen Alltagserfahrungen und Therapieerfahrungen liegt. Da Ingeborg Baldenius lange Jahre in einer therapeutischen Gemeinschaft gearbeitet hat ist diese Gratwanderung wohl bewusst und wir gehen davon aus, dass diese Problematik mit Hilfe von Supervision gelöst werden kann.

Wir bieten Jugendlichen die Möglichkeit, ihren Schulabschluss vorzubereiten oder auch - wenn sich dies als praktikabel herausstellt - die örtlichen Schulen zu besuchen.

Wir bieten Arbeitspraktika und Trainings begleitend zur aktuellen Betreuung oder als eigenständige Maßnahme zur Berufsorientierung in nahegelegenen Betrieben an.

 

Rahmenbedingungen

Clearing ist eine intensive Form der Hilfe zur Erziehung die sich unter dem § 27 Sozialgesetzbuch (SGB) - Achtes Buch (VIII) - Kinder- und Jugendhilfe einordnen lässt. Das Clearing dauert bei uns - je nach Wunsch des Auftraggebers - vom Kontaktgespräch bis zur Vorlage des Abschlußberichtes bis zu 4 Monaten, davon 3 Monate stationäre Unterbringung. Wir gehen davon aus, dass Kennenlernen (inkl. Reisen zum Hilfeplagespräch) sowie die Abschlussphase mit evtl. Rückführung ca. 4 Wochen in Anspruch nehmen. Die Zeit, die über 3 Monate hinausgeht ist in diesem Sinne variabel.

Der/die Jugendliche wird im Haus des Paares Baldenius/Ulander untergebracht. Dazu steht ein eigenes Zimmer zur Verfügung.

Eine vom Jugendlichen mit verfasste und unterschriebene Hausordnung wird erstellt.

 

Betreuungsteam

Das Team besteht aus

- Dr. Ingeborg Baldenius (Deutsche), Jhrg. 1946, Diplom Psychologin,

Psychotherapeutin in eigener Praxis in Köpmanholmen, als verantwortliche Leiterin

- Bert Ulander (Schwede), Jhrg. 1946, Civilökonom und Vorsitzender der Vereinigung der örtlichen Unternehmer (NDF)

Die Supervision des Teams wird durch durchgeführt von Dr. med Marianne Wikman, Legitimierte Ärztin für Pszckiatrie und Psychotherapeutin, Vårsta Diakonie, Harnösand

Der Kostensatz wird durch den Jugenhilfeträger festgelegt.

 

Spezifizierung der Durchführung des Clearings

Das Clearing soll herausfinden, was ein/e Jugendliche benötigt, um sich optimal zu entwickeln. Dazu werden einerseits Methoden aus der Psychotherapie inkl. Psychodiagnostik sowie Explorationsverfahren aus unterschiedlichen psychotherapeutischen Methoden verwendet. Insbesondere kommt die Lifeline-Methode zur Anwendung. Andererseits werden lebensweltliche Methoden genutzt, d.h. im Zusammenleben mit einer/einem Jugendlichen werden individuelle pädagogische Maßnahmen, die alltagstauglich sind entwickelt. Dabei wird besonderer Wert gelegt auf individuelle Zugehensweisen, optimale Lernmethoden, Interessenserkundung, Fähigkeitsprofilerstellung und Verbesserung des Verständnisses für die eigene „gestörte“ Entwicklung.

 

Spezifizierung der weiterführenden Maßnahmen - falls diese in der Einzelbetreuung ”Haus Holmen” durchgeführt werden.

Falls ein/e Jugendliche/r sich dazu entschliesst, im ”Haus Holmen” zu verbleiben bzw. wir uns ein konstruktives Zusammenleben vorstellen könnnen, werden die im Clearing erarbeiteten Vorgehensweisen spezifiziert und individuell erweitert. Der Verbleib hängt jeweils davon ab, ob ein therapeutisches Setting die Methode der Wahl ist.

 

Es können dann - vor allem - psychotherapeutische Methoden verwendet werden, die dem einzelnen Jugendlichen angepasst sind, dabei spielen Methoden aus verschiedenen traumatherapeutischen Methoden eine große Rolle. Weiterhin kommen gesprächs- und verhaltenstherapeutische Methoden zur Anwendung.

 

Beschreibung des Hauses ”Holmen”

Das ”Haus Holmen” liegt in der Mitte des Ortes Köpmanholmen (1200 EW), fußläufig sind Lebensmittelgeschäfte, Sportplatz, Schwimmhalle, Hafen, Kunst- und Kulturpark und Kirche zu erreichen. Köpmanholmen gehört zur Kommune Örnsköldsvik (56T EW) einer lebendigen Industriestadt (33T EW) mit allen Schulen und Freitzeiteinrichtungen.

 

Das Haus selbst ist ein kleines Einfamilienhaus mit einem Wohn-Essraum, einem großen Schlafraum sowie einem kleineren Wohnraum für eine/n Jugendliche/n. Ein gemeinsames Bad mit Toilette und eine Einzeltoilette sind vorhanden. Im Keller befindet sich ein aufblasbarer Pool, der angewärmt werden kann und als Entspannungsbecken dient. Dies kann auch therapeutisch genutzt werden. Desweiteren befindet sich ein Trainingsfahrrad in diesem Bereich.

Um das Haus herum gibt es eine große Terrasse, Möglichkeiten für einen Rückzug im Garten sind vorhanden. In diesem 1600 qm großen Garten gibt es eine Reihe von Obstbäumen und Anbau von Gemüse. Ein kleiner eigener Garten kann vom Jugendlichen angelegt werden. Auf dem Grundtück liegt ein weiteres kleines 12 qm großes Häuschen, das als psychotherapeutische Praxis dient und daneben in speziellen therapeutischen Sitzungen mt dem/der Jugendlichen zur Anwendung kommt. Durch diese räumliche Trennung entsteht eine Markierung zwischen gemeinsamem Leben und explizit therapeutischen Interventionen.

 

Der strukturierte Alltag bietet Orientierung, Schutz und Halt. Das Leben ist überschaubar, geregelt und fördert Verantwortung durch Aufgaben im Alltag. Soziales Verhalten wird trainiert durch Mitarbeit im Haushalt und Garten, bei Renovierungsarbeiten u.ä.

 

Die Nachbarschaft bildet eine kleine innerdörfliche Gemeinschaft, insbesondere die Fußballtrainer der Jugendmannschaft (Jungen und Mädchen) des örtlichen Fußballvereins lebt hier mit seiner Familie, seinen fußballinteresierten Kindern. Hier bestehen herzliche Kontakte und deren private Trainigsmöglichkeiten werden von der Familie gerne zur Verfügung gestellt. In einem weiteren Nachbarhaus befand sich bis vor Kurzem ein ”Kleinstheim”, das aber nicht weitergeführt wird. Mit Verständnis ist jedoch hier zu rechnen.

 

Therapeutisches Setting

Das Leben im ”Haus Holmen” mit räumlichem (Schweden) und zeitlichem Abstand zur aktuellen Krisensituation kann eine Zuspitzung der Problematik verhindern bzw. eine Entlastung bewirken. Dabei werden gemeinsam neue Ansatzpunkte für eine positive Lebensperspektive gefunden und zielstrebig eingeübt. Die geografische Distanz „zwingt“ dazu, den Kreislauf des wiederholten Weglaufens zu durchbrechen, die ”Drehtür” ist verschlossen. Es erfolgt eine Abschirmung von gewohnten Außenreizen; das fördert die zwischenmenschliche Auseinandersetzung mit den Betreuungspersonen, die nun erstmals positiv – im Gegensatz zum Gewohnten – erlebt werden kann. Der Aufbau einer tragfähigen und verlässlichen Bindung kann das verlorene Gefühl von Sicherheit wiederherstellen. Es finden im Zusammenleben ständig implizite Alltagsübungen und explizite therapeutische Übungen zum Erlernen von Konfliktbewältigungsstrategien statt. Die Herausnahme aus der klassischen Familiensituation in eine - sagen wir es deutlich - Großelternfamilie eröffnet neue ”famiiiäre Perspektiven”. Ein Aufenthalt in Köpmanholmen bietet eine echte Lebensperspektive, die nicht in Konkurrenz steht zu einer erlebten destruktiven Herkunftsfamilie, weil sie andere zwischenmenschliche Möglichkeiten eröffnet, die teilweise vollständig unbekannt sind. In Haus- und Umgebung gibt es mannigfaltige Möglichkeiten, Ressourcen zu entdecken, an praktischen Arbeitstätigkeiten bei Nachbarn und im eigenen Haushalt teilzunehmen sowie Pflichten und Rechte wahrzunehmen. Die Möglichkeit einer Einzelbeschulung muss abgeklärt werden. Die Möglichkeit der Teilnahme am Schulunterricht in nahegelegenen Ort Bjästa (1800 EW) (Fahrradabstand) muss ebenfalls geklärt werden.

 

Weiterhin können durch die vielen Kontakte zu unterschiedlichen Unternehmen Praktikumsstellen und Stellen zur Berufsfindung gestellt werden.

 

Der Erlebnis- und Lernbereich wird abgedeckt durch Bert Ulander, der vorwiegend für Freizeit- und Bildungsaktivitäten zuständig ist. Dabei spielen Wanderungen durch die unberührte Natur der Hohen Küste, Fahrradtouren/Mountainbiking, Segeln auf dem Meer in den Schärengärten der Hohen Küste, Kajakfahren auf dem nahegelegegen Fluss, Langlauf, Fussball, Innebandy, Eishockey /aktiv und passiv sowie Schlittschulaufen und Skiabfahrt eine wichtige Rolle. Nichtzuletzt soll auf die Besonderheiten der schwedischen Natur hingewiesen werden: Angeln im Sommer an allen nahegelegenen Seen und im Meer und Eisangeln im Winter sowie Piknick und Feuerstellen auf dem Eis gehören wie selbstverständlich zum schwedischen Leben.

 

Weitere Lebens- und Lernbereiche

Strukturierte Tagesorganisation je nach individuellen Ressourcen.

Besuch durch die Familienangehörigen falls erwünscht und notwendig.

Findung der eigenen Identität durch Gespräch, Psychoedukation.

Umgang mit Suchtverhalten.

Erarbeitung von Stärken und Umgang mit Schwächen.

Praktika zur Berufsorientierung vor Ort: Praktika außerhalb des Hauses unter Begleitung und konzeptioneller Anleitung, Nutzung vielfältiger Kontakte zu Tourismuseinrichtungen. Freizeitverhalten trainieren durch Gemeinschaftsspiele wie wie Fussball, Innebandy, Eishockey.

Körperliche Aktivitäten trainieren durch Wandern/Klettern, Laufsport, Biken, (siehe oben), Musizieren: vorhandene Instrumente: Geige, Bratsche, Trormpete, Keyboard, Teilnahme an Orchesteraktivität zusammen mit Ingeborg Baldenius, die in einem Streichorchester mitspielt.

Vorbereitung eines Schulabschluss durch Lernprogramme und Fernschule.

Elternarbeit bei Bedarf und nach Auftrag.

Berichtsführung nach Maßgabe des Vertragspartners.

 

Aufnahme und Verlauf – Beispiel für die Jugendhilfe

Telefonische Benachrichtigung des Auftraggebers.

Verbindliche Absprachen über Honorar- und Nebenkosten sowie Vorbereitungs- und Fahrtkosten.

Mündliche Beschreibung des ”Falles”.

Akteneinsicht.

Persönlichkeitsbeschreibung - Fremd- und Eigensicht -, Neigungen, Stärken, Schwächen, aktuelle persönliche Situation.

Kenntnis des letzten Hilfeplans.

Vorstellung des Projektes mit allen Einzelheiten, Angeboten und Fotos.

Gespräch mit den Beteiligten.

Konzipierung realistischer Ziel- und Zeitangaben.

Aufnahmeentscheidung.

Hilfeplangespräch beschreibt zielorientiertes weiteres Vorgehen.

Übernahme ins Projekt.

Elternarbeit - Hilfeplan

 

Wir beteiligen uns nach Absprache und auf Wunsch an der Arbeit mit Eltern und Institutionen (z.B. Jugendämter) und bei der Erarbeitung von Hilfeplänen. Die jeweilige Maßnahme hat als Basis die jeweilige Konzeption und den Willen des Vertragspartners und funktioniert mit Übereinstimmungen in wesentlichen konzeptionellen Gesichtspunkten. Die rechtlichen Grundlagen und gültigen erforderlichen Qualitätsstandards müssen gesichert sein. Es können Hilfestellungen für evtl. erforderliche Nachsorge- und Reintegrationsphasen gegeben werden.

 

 

 

PARTNERPROJEKT MIT PALOMBELLA

Sitz. VIllavägen 36, 89340 Köpmanholmen, Sverige 0046-70- 369 7599 oder 0046-660-84312 ingeborgbaldenius@web.de oder info@baldenius.se baldenius.se (in schwedischer Sprache